Veranstaltungen 2011
dance n`de-fence - Soliparty
für
Bewegungsfreiheit
am Samstag,
07. Mai 2011 | Juzi | ab 22 Uhr
Veranstaltungen 2010
Veranstaltungen 2009
Ausstellung "Leben im Verborgenen -
Menschen ohne Pass und Papiere in Deutschland" vom 07. Oktober bis 04.
November 2009 in der St. Johanniskirche
[Review]: Aktionstag in
Göttingen am
17.10.09
Aktionstag am
Samstag, den 17. Oktober, um 15 Uhr auf dem Göttinger Bahnhofsvorplatz
Workshop
im
Rahmen des Queer Feministischen
Festival am 22.
August 2009 im Café Kabale um 19 Uhr
Aktionswoche
gegen Abschiebung vom 24. - 30. August 2009
Veranstaltungen 2007
Veranstaltung zum
Widerstand
im
Abschiebgefängnis Büren September 2007
Veranstaltungen 2005
Vom Traum zum Trauma
Medizinische
Versorgung
und
Unterstützung
Illegalisierter
in
Göttingen
„SpuK“ – Projekt für eine effektive Gesundheitsversorgung
Invisible illegal in Europa
Gesundheitsversorgung Illegalisierter – ein europäischer Vergleich
„…dass sie uns nicht vergessen…“
Kinder ohne Papiere - Recht auf Bildung?
Artikel
aus dem Tagessatz: Krank
ohne
Papiere
dance n`de-fence
Soliparty
für Bewegungsfreiheit
Samstag,
07. Mai 2011 | Juzi | ab 22 Uhr

"Aktionstag
Medizin" im Uniklinikum Göttingen am Mittwoch, dem
08. Dezember
2010
Die MFH wird sich mit einem Info -
Stand und einem Workshop daran beteiligen
Die
Medizinische
Flüchtlingshilfe
Göttingen
e.V. ist eine Gruppe, die sich für Migrant_innen und Flüchtlingen ohne
sicheren Aufenthaltsstatus einsetzt und in der Gesellschaft auf deren
prekäre soziale Situation aufmerksam macht. Neben dieser Zielsetzung
werden
Flüchtlinge und Migrant_Innen konkret in medizinischen Fragen
unterstützt und bei Bedarf an Ärzt_Innen weitervermittelt.
Wir
möchten
Euch einen kurzen Überblick über unsere
Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen geben. In einem
anschließenden interaktiven Workshop werden die Teilnehmer_Innen in
verschiedene Rollen schlüpfen und einen Fall aus unserer
Beratungsstelle nachspielen.
Vielleicht
finden wir ja auch ein neues Konzept, wie die medizinische Versorgung
und der Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe papierloser Menschen
innerhalb Europas in Zukunft verbessert werden könnte?!
Der Workshop
findet um 10.15 Uhr im HS 91/92 des
Klinikums statt.
Wir
freuen
uns auf Euer Kommen!
Programm des Aktionstages: http://www.aktionstag-goettingen.de/index.html
Einsteiger_innen-Treffen
der
Medizinischen
Flüchtlingshilfe:
Donnerstag,
den 28.10.2010 um 18 Uhr im Hörsaal 51/52 im Uniklinikum
Wir
suchen Unterstützung und möchten unsere Arbeit gerne allen
Interessierten vorstellen. Willkommen sind alle, die sich für die
medizinische Versorgung
illegalisierter Menschen und Menschen ohne
Krankenversicherung interessieren. Gerne begrüßen wir auch Leute,
die nicht Medizin oder auch gar nicht studieren, um unser Team mit
allerhand unterschiedlicher Kompetenz auszustatten.
Wir
freuen uns auf Euch!
BEATS AGAINST ALL BORDERS
Antirassistische
Soli
-
Party
am
Freitag,
den
19.
Februar
2010,
ab
22
Uhr
im JUZI
Am Freitag, den 19. Februar 2010, ab
22 Uhr findet im Juzi eine antirassistische Soliparty statt.
Gründe gibt es leider genug: FRONTEX und die Jagd auf Menschen im
Mittelmeer, rassistische Gesetze, Residenzpflicht, Lager,
Gutscheinpraxis, mangelnde medizinische Versorgung. Und jetzt aktuell
die bevorstehenden Deportationen der Roma ins Kosovo.
Antirassistische Arbeit kostet Geld – und aus diesem Grund findet BEATS
AGAINST ALL BORDER statt. Ein Teil des Geldes ist für die
Rechtsanwaltskosten für einen Asylantrag eines Menschen bestimmt, der
Rest wird für andere antirassistische Arbeit verwendet.
WER BLEIBEN WILL, SOLL BLEIBEN!
NO BORDER, NO NATION! STOP DEPORTATION!
Aktionstag Medizin am 02. Dezember 2009 im
Klinikum Göttingen
Abschiebung im Morgengrauen
Zeit: 11.15 - 12.00
Ort: HS 69
Vortragende: med. Flüchtlingshilfe Göttingen e.V.
Die medizinische Flüchtlingshilfe
Göttingen präsentiert den Film
"Abschiebung im Morgengrauen" mit anschließender Diskussionsrunde: In
der Hamburger Ausländerbehörde wird tagtäglich über das Schicksal von
Menschen entschieden, die ein "Leben auf dem Schleudersitz" führen:
Asylsuchende, die länger als ein Jahrzehnt in Deutschland gelebt haben,
deren Kinder hier geboren sind. In vielen Fällen sind sie in der
Bundesrepublik aber nur geduldet, mal für weitere zwei oder drei
Monate, mal aber auch nur bis zum nächsten Wochenende. Dann wird wieder
neu entschieden, ob sie nicht doch zurück müssen - in ihr
Herkunftsland, das für viele keine Heimat mehr ist, aus dem sie vor
vielen Jahren geflohen sind. Der Film zeigt Bilder von der nächtlichen,
überfallartigen Stürmung von Wohnungen mit einer Armada von Beamtinnen*
und Polizei, dem Zusammentreiben von Familien, deren Verzweiflung und
Verängstigung und das hastige zeitlich befristete Zusammenpacken der
persönlichen Sachen - erschütternde Szenen, die eine Ungeheuerlichkeit
darstellen und gleichermaßen beschämen, wie empören.
http://www.aktionstag-goettingen.de/programm2009.html
IPPNW -
Studierentreffen in Göttingen mit Vortrag der MFH am 07. November um 11
Uhr
Blickwinkel - Einsichten - Aussichten
Ab jetzt könnt ihr euch zum
IPPNW-Studierendentreffen 2009 anmelden.
Wir freuen uns sehr, euch vom 6.-8. November ins schöne Göttingen
einzuladen.
Euch erwarten viele nette Leute und ein interessantes Programm.
Hinter dem Titel "Blickwinkel - Einsichten - Aussichten"
verbirgt sich die ganze Bandbreite von IPPNW nahen Themen. Es wird
sowohl spannende Workshops für IPPNW Neulinge als auch für die alten
Hasen geben.
Übernachten werdet ihr in der Jugendherberge, die
auch über ausreichend Gemeinschaftsräume verfügt. Tagsüber werden wir
vor allem im Klinikum sein.
Also zögert nicht lange, nutzt den Frühbucherrabatt und meldet euch an.
Das Programm folgt, sobald es fertig ist.
Wir freuen uns auf euch!
Eure Göttinger und Hannoveraner
aus Auszug von der
Homepage
Ausstellung
"Leben
im Verborgenen - Menschen ohne Pass und Papiere in
Deutschland" vom 07. Oktober bis 04. November 2009 in der St.
Johanniskirche
Die
Ausstellung ‚Leben im Verborgenen’ schafft Öffentlichkeit für
die miserable Lebenssituation von Menschen ohne Pass und Papieren.
Sie nimmt Einfluss auf die politische Debatte. Ziel ist es, soziale
Mindeststandards und ihre Menschenrechte für illegalisierte
Migrantinnen und Migranten in Deutschland einzufordern.
Die
Ausstellung zeigt, wie kirchliche und diakonische Einrichtungen den
betroffenen Menschen helfen, trotz der strengen rechtlichen
Rahmenbedingungen. Wir sind der Überzeugung: Die Menschenrechte
müssen für alle Menschen gelten, auch für diejenigen, die kein
gesetzliches Aufenthaltsrecht haben. Ihre medizinische Versorgung
muss sichergestellt werden. Ihre Kinder müssen zur Schule gehen
dürfen. Sie haben ein Recht auf faire Arbeitsbedingungen.
Hilfeleistungen müssen straffrei sein. Alle Menschen haben ein Recht
auf ein Leben in Freiheit und Würde.
‚Leben
im Verborgenen’ ist eine multimediale Ausstellung. In Bild-, Text-
und Tondokumenten wird die Lebenssituation von Menschen ohne
Aufenthaltsgenehmigung dargestellt. Für die Ausstellung wurden
persönliche Interviews mit Menschen ohne Pass und Papiere in
Niedersachsen, Hamburg und Bremen geführt. Die Interviews sind
exemplarisch und wurden für die Ausstellung anonymisiert.
An
fünf Säulen dokumentieren großflächige Bildtafeln und Texte die
Lage der „Illegalen“. Ihre Aussagen werden konfrontiert mit dem
Text der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Jede Säule widmet sich
einem Schwerpunktthema: Einführung in das Thema, Alltag
(Wohnen/Schlafen), Arbeit, Gesundheit, Bildung. Zusätzlich können
die Besucher/innen den persönlichen Erfahrungen von Menschen ohne
Pass und Papiere über Einohrhörer zuhören. Die Eingangstafel ist
eine sprechende Tafel, der man sich mit dem Ohr nähern muss, um die
Aussagen zu verstehen.
Die
Ausstellung wird vom 07. Oktober bis 04. November 2009 in der St.
Johanniskirche gezeigt. Geöffnet ist sie werktags von 11 bis 13 Uhr
und von 16 bis 18 Uhr.
Die
Eröffnung findet am Mittwoch dem 07. Oktober 2009 um 18 Uhr mit
einem Einführungsvortrag von Pastorin Fanny Dethloff,
Flüchtlingsbeauftragte der Nordelbischen Kirche und Vorsitzende der
Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“
statt.
Weiteres
Begleitprogramm:
Film
„Hotel Sahara“ (mit Diskussion) im Lumiere
Montag,
den 12. Oktober, um 20 Uhr
Dienstag,
den 13. Oktober, um 20 Uhr
Mittwoch,
den 14. Oktober, um 22 Uhr
Die
Ausstellung wird präsentiert von
dem
Ökumenischen Arbeitskreis „Flucht und Asyl“ Göttinger Gemeinden,
dem
Migrationszentrum Göttingen,
der
Medizinischen Flüchtlingshilfe Göttingen e.V. und
der
ev. Luth. Kirchengemeinde St. Johannis
[Review]: Aktionstag in Göttingen am
17.10.09
Zum Anlass des sogenannten „World
Health Summit“,
der vom 16.-18. Oktober in Berlin stattfand, beteiligte sich die
Medizinische Flüchtlingshilfe Göttingen e.V. am Samstag, dem 17.10. mit
verschiedenen Aktionen in Göttingen an einem
dezentralen und
bundesweiten Protesttag. Der Protest stützt sich auf ein breites
Bündnis u.a. aus Organisationen von Mediziner/innen wie IPPNW und dem
Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte, entwicklungspolitischen
Organisationen wie dem Evangelischen Entwicklungsdienst, Gewerkschaften
und Flüchtlingshilfen. Am 17. Oktober
2009 beteiligte sich die Medizinische Flüchtlingshilfe Göttingen mit
eigenen Aktionen an den bundesweiten Protesten gegen den World Health
Summit vom 15. bis 18. Oktober 2009 in Berlin. Dieser fand angesichts
des 300 jährigem Bestehen der Berliner Charité unter Schirmherrschaft
von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy statt. Auf dem Programm standen
Überlegungen, wie Forschung und private Gesundheitswirtschaft zur
Verbesserung individueller Versorgung beitragen können, jedoch nicht
Fragen der öffentlichen Gesundheitsfürsorge. Es besteht die Gefahr, das
das Thema Gesundheit zu einer Ware wird, die nur noch von technischen
und betriebwirtschaftlichen Kriterien bestimmt wird.
Schon
vor dem Beginn der eigentlichen Aktion wurden Luftballons auf der
Verkehrsinsel in der Berliner Straße, die sich direkt vor dem Göttinger
Bahnhof befindet, aufgestellt. Auf einer Reihe von Ballons wurde
jeweils ein Buchstabe geschrieben, gelesen ergab es
„Gesundheitsversorgung für alle“. Außerdem wurde ein Transparent mit
der Aufschrift „Gesundheitsversorgung und Bleiberecht für alle“
zwischen zwei Bäumen auf die Verkehrsinsel aufgespannt. Schon während
des Aufbaus wurden themenbezogene Flyer an vorbeigehende Passant/Innen
verteilt. Die Ballons und das Transparent zog viele neugierige Blicke
an, sodass viele Menschen langsam gingen um die Texte zu lesen.
Um
15 Uhr startete der Aktionstag auf dem Bahnhofsvorplatz, einige Meter
vor dem Haupteingang, sodass alle Ankommenden und Abreisenden das
Transparent sehen konnten. Außerdem wurden themenbezogene sowie Flyer
von der Medizinischen Füchtlingshilfe verteilt. Schon nach kurzer Zeit
konnten es sich zwei Sicherheitskräfte der Deutschen Bahn nicht nehmen,
an uns heranzutreten. Ihre Forderung war, das wir mit dem Transparent
zwei Meter Richtung Berliner Straße gehen sollten. Kompromiss
unsererseits war ein Meter. Die beiden Sicherheitskräfte gingen
daraufhin wieder in die Eingangshalle und stellten sich so auf, das sie
uns genau beobachten konnten.
Nach ca. 45 Minuten gingen wir
in die Eingangshalle und einige von uns spielten ein
Straßentheaterstück. Eine/r knickte mit dem Fuß um und blieb mit
Schmerzen auf dem Boden liegen. Ein „Passant“ blieb stehen, um dem
„Verunfallten“ zu helfen. Er sagte der Verletzte müsse aufgrund der
Verletzung in ein Krankenhaus. Dieser versuchte daraufhin aufzustehen
um zu fliehen, knickte aber erneut um. Dabei sagte er: „Nein, nicht ins
Krankenhaus. Ich hab doch keine Versicherung.“ Einige Passantinnen
blieben aufmerksam stehen. Danach wurde was zu dem Stück und der
Situation von Menschen ohne Papiere gesagt. Es sollte auf die mangelnde
Gesundheitsversorgung von diesen Menschen hingewiesen werden. Zwar
können sie im Notfall ins Krankenhaus bzw. zum Arzt, die wenigsten
nehmen dieses jedoch aus Angst vor ihrer Entdeckung und Abschiebung
wahr. So gehen viele erst sehr spät zum Arzt, oftmals erst ,wenn eine
Krankheit schon sehr weit fortgeschritten ist. Es existieren auch
Fälle, in denen dieses Aufsuchen von medizinischer Behandlung zum Tod
von Menschen geführt haben.
Weiter ging es dann in Richtung
Innenstadt zum Rathausplatz. Auf dem Weg wurden ebenfalls Flyer
verteilt. Auf dem Marktplatz positionierten wir uns mit dem Transparent
. Das nächste Theaterstück folgte. Ein Mensch fegte die Straße mit
einem Besen. Dieser war mit einem Schild als „Papierlos“ zu erkennen.
Daraufhin erschien ein Mensch mit dem Schild „Arbeitgeber“. Er
beschwerte sich lautstark bei dem „Papierlosen“ über dessen schlechte
Arbeit. Dieser versuchte sich zur Wehr zu setzen und entgegnete seinem
„Arbeitgeber“, das er sehr viel und sehr verlässlich arbeiten würde.
Außerdem würde er ihm auch noch Lohn für drei Monate schulden. Darauf
entgegnete der „Arbeitgeber“, das der „Papierlose“ doch zum Gericht
gehen soll, wenn es ihm so schlecht geht. Auch hier blieben einige
Passantinnen neugierig stehen und verfolgten das Theaterstück.
Anschließend wurde das Stück und die Situation erklärt. Menschen ohne
Papiere stellen in vielen Bereichen einen großen Anteil von
Arbeiter/Innen, wie z.B. beim Bau, bei häuslichen Reinigungsarbeiten
und in der Gastronomie. Diese Menschen bekommen nur einen geringen Teil
vom normalen Lohn und werden häufig für gefährliche Arbeiten
eingesetzt. Dabei haben sie keine Rechte und auch keine Möglichkeiten
vor ein Arbeitsgericht zu gehen.
Zusammenfassend läßt sich
sagen, das dieser Aktionstag viele Menschen auf die Lage von Menschen
ohne Papiere aufmerksam machen sollte. Es gab oftmals eine positive
Resonanz auf das Theaterstück bzw die Forderungen. Selbstverständlich
gab es auch ein einige „Durchgeknallte“, die der Meinung waren, das
Abschiebung sinnvoll ist. Letztendlich ein erfolgreicher Aktionstag,
der sicherlich mit anderen Aktionen wiederholt wird.
*Keine Grenzen*
*Keine Nationen*
*Abschiebungen stoppen*
*Globale Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte für alle Menschen*


siehe auch
http://de.indymedia.org/2009/10/264172.shtml
Aktionstag am
Samstag, den 17. Oktober, um 15 Uhr auf dem Göttinger Bahnhofsvorplatz
Am 17. Oktober 2009 veranstaltet die
MFH einen Aktionstag am Bahnhof in
Göttingen. Es wird einen Infostand, ein Straßentheater und ein paar
"specials" geben. Diese Aktion wird zwar auf dem Bahnhofsvorplatz
beginnen, sich aber nach einiger Zeit in Richtung Innenstadt in
Bewegung setzen. Also, alle die sich daran beteiligen wollen, sollten
sich entweder beeilen oder in der Innenstadt nach uns Ausschau halten.
Anlaß sind die rassistischen Gesetze,
die gegen Migrant/Innen gerichtet sind. Somit haben diese
Menschen nicht die gleichen Rechte wie z.B. Deutsche. Auch ist ihre
Gesundheitsversorgung nicht ausreichend gesichert. Besonders betroffen
sind davon Menschen ohne Papiere, die sich zumeist nicht trauen zum
Arzt zugehen, aus Angst entdeckt zu werden. Um auf die Situation all
dieser Menschen aufmerksam zu machen, beteiligen wir uns an dem
bundesweiten Aktionstag, der von verschiedenen Gruppen bundesweit
durchgeführt wird.
In Berlin wird z.B. die Alternativkonferenz "Public Eye on Berlin" am
16.10.2009 stattfinden, die sich gegen den World Health Summit vom 15.
bis 18.10.2009 in Berlin richtet. Der World Health Summit wird von der
Berliner Charité unter
Schirmherrschaft von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy veranstaltet.
"Nicht Fragen der öffentlichen Gesundheitsfürsorge
bestimmen das Programm des Berliner Gipfels, sondern Überlegungen, wie
Forschung und private Gesundheitswirtschaft zur Verbesserung
individueller Versorgung beitragen können. Damit droht das öffentliche
Gut Gesundheit zu einer Ware zu werden, die nur noch von technischen
und betriebwirtschaftlichen Kriterien bestimmt wird."
Info`s
unter
http://www.medibuero.de/de/News/Proteste_gegen_WorldHealthSummit_in_Berlin.html
Presseerkärung zum Aktionstag
Protest gegen „World Health Summit“ -
Gesundheitsversorgung und gerechte Lebensbedingungen für alle!
Zum Anlass des sogenannten „World Health Summit“, der vom 16.-18.
Oktober in Berlin stattfindet, beteiligt die Medizinische
Flüchtlingshilfe Göttingen e.V. sich am Samstag, dem 17.10. mit
verschiedenen Aktionen in Göttingen an einem dezentralen bundesweiten
Protesttag. Der Protest stützt sich auf ein breites Bündnis u.a. aus
Organisationen von Mediziner/innen wie IPPNW und dem Verein
demokratischer Ärztinnen und Ärzte, entwicklungspolitischen
Organisationen wie dem Evangelischen Entwicklungsdienst, Gewerkschaften
und Flüchtlingshilfen.
Ab 15:00 Uhr wird es in Göttingen auf dem Bahnhofsvorplatz und später
in der Innenstadt unter anderem ein Straßentheater und Informationen
über den Gipfel und Probleme bei der Gesundheitsversorgung von
Migrant/innen geben.
Dazu eine Sprecherin der Medizinischen Flüchtlingshilfe Göttingen:
„Migrant/innen, insbesondere wenn sie keine Papiere haben, befinden
sich häufig in einer besonders belastenden Lebenssituation mit
unsicherer Lebensperspektive, Angst vor Entdeckung und erschwertem
Zugang zu sozialer Infrastruktur. Deren Probleme, wie überhaupt die
Probleme mittelloser Menschen auf der ganzen Welt, werden aber auf dem
„Welt“-Gesundheitsgipfel nicht berücksichtigt und ihre Interessen nicht
vertreten. Damit entsteht auch im Bereich der Gesundheit ein
demokratisch nicht legitimiertes Gremium wie der G8-Gipfel, in dem
Entscheidungen für die ganze Welt getroffen werden sollen. Wir sehen
den sogenannten „Weltgesundheitsgipfel“ als Teil des Problems eines
ungleichen Zugangs zu medizinischer Versorgung und ungleicher
Lebensbedingungen in Deutschland und auf der ganzen Welt. Er ist nicht
Teil der Lösung.“
Auch wenn der Anlass dieses bundesweiten Aktionstages der „World Health
Summit“ in Berlin ist, sieht die Medizinische Flüchtlingshilfe neben
der unzureichenden medizinischen Versorgung noch mehr Gründe zum
Protest gegen die Lebensbedingungen von Migrant/innen in Deutschland als
Kehrseite weltweit ungleicher Lebensbedingungen.
Der Bahnhofsvorplatz ist bewusst gewählt, hier wirkt mit der
Residenzpflicht eine besonders einschneidende Einschränkungen gehört,
denen Migrant/Innen unterliegen. Dieses Gesetz verbietet es Menschen
mit dem Duldungs- oder Asylbewerber/innenstatus, ihren zugeteilten
Bezirk bzw. Landkreis zu verlassen. In Niedersachsen ist außerdem die
Praxis der Gutscheinvergabe an Flüchtlinge noch gängig: Menschen, die
unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen bekommen nicht Geld,
sondern Gutscheine, die ihnen nur die Möglichkeit geben, in bestimmten
Geschäften eine eingeschränkte Auswahl an Produkten zu kaufen. Dadurch
werden sie jedes mal an der Kasse stigmatisiert. Das wenige Geld,
welches bar ausgezahlt wird (Höchstfall 50 Euro im Monat), reicht
häufig nicht, um Rechtsanwaltskosten zu begleichen oder zu
telefonieren, gerade da die Lager, in denen die Menschen untergebracht
werden, meistens außerhalb der Städte liegen und die Fahrtkosten für
öffentlichen Verkehrsmitteln auch von diesem „Taschengeld“ bezahlt
werden müssen.
Die bewusst gewählte Entfernung der Lager zur Stadt gehört zur
systematischen Isolierung der Migrant/Innen. So werden sie samt ihrer
Nöte aus den Innenstädten ferngehalten und gelangen somit nicht ins
gesellschaftliche Bewusstsein. Um auch darauf aufmerksam zu machen wird
die Protestaktion der Medizinischen Flüchtlingshilfe in die Innenstadt
getragen.
Für weitere Fragen und Informationen stehen wir gern zur Verfügung
Medizinische Flüchtlingshilfe Göttingen e.V.
c/o Migrationszentrum
Weender Straße 42
Email:mfh.goe@gmx.de
http://www.gesundheitsversorgung-fuer-alle.de/
Die gemeinsame Erklärung des Protestbündnisses findet sich hier:
http://www.medico.de/themen/gesundheit/dokumente/gemeinsame-erklaerung-zum-world-health-summit-in-berlin/3616/
Selbstdarstellung des World Health Summit:
http://www.worldhealthsummit.org/
Vortrag
mit
Diskussion
zum Thema:
"Medizinische
Versorgung
von
Menschen
ohne
Papiere
mit
Bezug
zur
aktuellen
Flüchtlingspolitik
in
Deutschland"
am Mittwoch, den 30.09.2009 um 18:00 Uhr im
Stadtteilbüro Leineberg

Weltweit sind Millionen Menschen auf
der Flucht. Sie verlassen Ihre
Heimat um Krieg,
Unterdrückung, wirtschaftlicher Ausbeutung und Perspektivlosigkeit,
Verwehrung der
grundlegendsten Menschenrechte oder Naturkatastrophen zu entgehen.
Migration und Flucht sind
ein globales Phänomen mit globalen Ursachen.
Die medizinische Flüchtlingshilfe ist bundesweit vertreten und versucht
sich insbesondere der
Menschen anzunehmen, die in Deutschland keinen gesicherten Zugang zur
Gesundheitsversorgung
haben, weil Sie papierlos sind oder keine Krankenversicherung haben.
Prinzipiell würde der Staat
für Behandlungskosten aufkommen, nur leider schafft das Deutsche
Ausländerrecht eine Situation,
in der Betroffene gefährdet sind an die Ausländerbehörde gemeldet und
damit potenziell
abgeschoben zu werden. Solange die medizinische Behandlung mit der
Gefahr der Abschiebung
verbunden ist, werden viele aus Angst keine medizinische Versorgung in
Anspruch nehmen. Wir
stellen einen anonymen und diskreten Kontakt zu vertrauenswürdigen
Ärzten und Krankenhäusern
her, Begleiten zu den Arztterminen und versuchen aufkommende Kosten zu
decken. Besonders
problematisch sind Patienten, die eine psychologische Betreuung
brauchen, um beispielsweise
Traumata während der Flucht oder dem Herkunftsland zu verarbeiten, denn
es ist äußerst schwierig
eine lang andauernde Verbindung zu einem Psychologen in der jeweiligen
Muttersprache
herzustellen. Auch Schwangere bedürfen einer längeren Betreuung und
gerade Ihre Kinder werden
in einer rechtlich und sozial sehr unsicheren Situation geboren.
Die Arbeit der medizinischen
Flüchtlingshilfe setzt bei konkreter Hilfe
an. Wir vergessen trotzdem
nicht, dass unser Bemühen am Ende einer langen Kette von Faktoren
ansetzt, die zu dieser
schwierigen Situation geführt haben. In der Hoffnung, dass irgendwann
die politischen
Bedingungen derart verändert werden, dass unsere Arbeit nicht mehr
notwendig ist, versucht das
Medinetz in Deutschland auch politische Entscheidungen zu beeinflussen,
um für eine gerechte
Versorgung aller Bedürftigen unabhängig vom Aufenthaltsstatus zu sorgen.
Bleiberecht jetzt - Für Alle.
Gesundheitsversorgung jetzt – Für Alle
Workshop
im
Rahmen des Queer_Feministisches
Festival
am
22.
August
2009
im
Café
Kabale um 19 Uhr
Die medizinische
Flüchtlingshilfe
Göttingen e. V. setzt sich für eine gerechte medizinische Versorgung
von MigrantInnen und Illegalisierten ein. Durch unsere Beratung und
Vermittlung sollen diesen Menschen der Zugang zur medizinischen
Grundversorgung erleichtert werden. Im Rahmen unserer Veranstaltung
wollen wir euch informativ und anschaulich ein Bild von unserer Arbeit
geben, die Missstände der medizinischen Versorgung im Rahmen der
deutschen Migrationspolitik erläutern und mit euch zusammen
Zukunftsperspektiven diskutieren.
http://www.sanfrancis-at-kabale.de/
überregional
Veranstaltung zum Widerstand im
Abschiebgefängnis Büren September 2007
-- Dienstag,
18.09.2007 --- 20:00 Uhr ---
DGB-Haus --- Obere Masch 10 --- Göttingen
- Veranstaltung zum Widerstand aus dem
Abschiebeknast Büren -
Seit dem 2. September 2007 verweigern Häftlinge im
Abschiebeknast Büren
die Nahrung, um die Lebensumstände im Lager anzuprangern und ihrer
Forderung nach der Schließung aller Abschiebelager Nachdruck verleihen.
In Deutschland und anderen europäischen Ländern
werden Flüchtlinge und
Migrant_innen in Abschiebelagern unter Bedingungen untergebracht, die
ganz unverhohlen „abschreckend“ sein sollen und dies auch definitiv
sind. Abschreckend einerseits für die Inhaftierten, die dort über
Monate bis zu ihrer Abschiebung festgehalten werden. Abschreckend
andererseits für Menschen, die vorhaben, nach Europa zu migrieren.
Teil des Systems der Abschiebelager ist die JVA
Büren in
Nordrhein-Westfalen, die seit 1994 Platz für 530 Häftlinge bietet und
von der aus jährlich ungefähr 2500 Menschen abgeschoben werden.
Die Lagerleitung in Büren versucht derzeit alles, um
den Hungerstreik
der Flüchtlinge herunterzuspielen. Noel Assanga, ein Wortführer des
Streiks, wurde z.B. vor einigen Tagen entlassen, um den Hungerstreik
ins Stocken zu bringen.
In der Veranstaltung wird Frank Gockel, Sprecher des
Vereins Hilfe für
Menschen in Abschiebehaft Büren e.V., über die Lebensbedingungen in der
Abschiebehaftanstalt Büren berichten. Außerdem wird es um den aktuellen
Widerstand gegen die Einrichtung gehen und die Repression, mit der die
Lagerleitung dabei gegen die Insassen vorgeht.
Zur Ergänzung wird es einen 20-minütigen Film geben,
der die
Bedingungen in der Anstalt und vergangene Hungerstreiks thematisiert.
„Wir rufen zur Schließung aller
Abschiebeknäste und unmenschlicher Gefängnisse auf, in Deutschland und
dem Rest der Welt“ (Abschiebehäftlinge in Büren)
--- Dienstag, 18.09.2007 --- 20:00 Uhr --- DGB-Haus
--- Obere Masch 10
--- Göttingen
Unterstützt von der medizinischen Flüchtlingshilfe
Göttingen
<Ankündigungstext>
Referent: Ibrahim Özkan, Diplom
Psychologe
Im gesundheitlichen und psychosozialen Kontext ist die
Migrationssituation von besonderer Bedeutung: sie begrenzt von
institutioneller Seite die Hilfe, sie wirkt an der Krankheitsentstehung
und/oder dem Krankheitsverlauf maßgeblich mit. Es gibt
Informationsdefizite und Vorbehalte auf der einen und Unkenntnis oder
Stereotype hinsichtlich kulturell gebundener Symptome auf der anderen
Seite. So gelangt psychiatrische und psychotherapeutische Hilfe und
Versorgung gar nicht oder nicht angemessen zu Menschen, die aufgrund
von vielfach traumatisierenden Lebenssituationen und –verläufen
besonders gefährdet und bedürftig sind.
Medizinische
Versorgung
und
Unterstützung
Illegalisierter
in
Göttingen
Vorstellung der Kampagne für eine
kostenlose Gesundheitsversorgung
Mit: medizinische Flüchtlingshilfe Göttingen, AK Asyl,
Migrationszentrum, Integrationsrat, Zukunftswerkstatt, ökumenischer AK
Asyl
Auch in Göttingen lebt eine große Zahl Menschen ohne gültige
Papiere. Die medizinische Versorgung illegal hier lebender MigrantInnen
wird durch weitreichende Ignoranz der Behörden und strafrechtliche
Folgen für Unterstützerinnen unmöglich gemacht. Trotzdem setzen sich
Gruppen dafür ein und damit auseinander. Es geht nun um die Entwicklung
einer Kampagne zur kostenlosen Gesundheitsversorgung für
Illegalisierte.
„SpuK“ –
Projekt für eine effektive Gesundheitsversorgung
Mit: Gisela Penteker, praktische
Ärztin und engagiert im
Flüchtlingsrat Niedersachsen
Seit Juli 2002 wird mit dem Projekt „SpuK - Sprache und Kultur:
Grundlagen für eine effektive Gesundheitsversorgung” an der
Verbesserung der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung von
Flüchtlingen und Asylsuchenden gearbeitet. Flüchtlinge und Asylsuchende
werden selbst zu „Sprach- und KulturmittlerInnen” ausgebildet. Es hat
sich ein Netzwerk gebildet aus PsychologInnen, ÄrztInnen und
JuristInnen, die im Falle medizinischer oder sozialer Probleme
interdisziplinär handeln können.
Invisible illegal in Europa - Film
über den Alltag illegalisierter MigrantInnen in Europa
Mit: Regisseur Andreas Voigt
Invisible erzählt die bewegenden Geschichten von fünf Flüchtlingen,
die illegal in Europa leben, erzählt von ihren Hoffnungen, ihrer Suche
nach Glück und Liebe und Zuhause und davon, was ihnen dabei widerfährt.
Gesundheitsversorgung Illegalisierter – ein
europäischer Vergleich
Mit: Arnold Rekittke und Wiebke
Würflinger
Medizinische Flüchtlingshilfe Berlin
In Deutschland sind illegalisierte
Migrantinnen und Migranten durch
den „Schlepperparagraphen” und die Verpflichtung zur Denunziation de
facto von einer medizinischen Versorgung ausgeschlossen. In vielen
anderen europäischen Staaten gibt es unterschiedliche Modelle
einer Gesundheitsversorgung.
„…dass sie uns nicht
vergessen…“ - Studie über Menschen in der Illegalität in München
Mit: Philip Anderson, freier
Migrationsforscher
Zur tatsächlichen Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten
ohne Aufenthaltsstatus gibt es wenig empirische Daten. Die von
der Stadt München in Auftrag gegebene Studie befasst sich eingehend mit
alltäglichen Unmöglichkeiten, wie Arbeit, Bildung oder medizinischer
Versorgung von Menschen in der Illegalität.
Der Verfasser beschreibt ebenso Perspektiven und Möglichkeiten auf
kommunaler wie staatlicher Ebene, die die Alltagssituation verbessern
könnten.
Kinder ohne
Papiere - Recht auf Bildung?
Mit: Ralf Fodor, Rechtsanwalt
Natürlich gibt es auch in Göttingen Kinder, deren Eltern
keinen gültigen Aufenthaltsstatus haben. Auch wenn
einige von ihnen in eine öffentliche Schule gehen, so
ist dies für sie und ihre Eltern nicht ungefährlich. Zudem
fürchten die Schulleitungen und die Lehrerinnen und
Lehrer, dass auf sie rechtliche Probleme zukommen,
wenn sie „Sans Papiers“ bzw. „Illegale“
unterrichten.
Wie das Recht auf Bildung auch für Kinder ohne
Papiere durchgesetzt werden kann und ob die
Befürchtungen berechtigt sind, wird am 27. Oktober
in einer Veranstaltung unserer Initiative
„Gesundheitsversorgung und Bildung für alle“
diskutiert. Zu Gast wird Rechtsanwalt Ralf Fodor aus
Berlin sein. Er hat jüngst für die GEW-Hessen ein
Rechtsgutachten erstellt, in dem es um die rechtliche
Situation von Kindern ohne Aufenthaltsstatus in
hessischen Schulen und Kindergärten geht. In seinem
Vortrag wird Ralf Fodor die Ergebnisse seines
Gutachtens und die aktuelle rechtliche Situation
vorstellen.
Unsere Initiative „Gesundheitsversorgung und Bildung
für alle“ setzt sich dafür ein, dass Kinder ohne
Aufenthaltsstatus einen ungehinderten Zugang zu
Kindergärten, Bildung und Schulabschlüssen erhalten.
Im Frühjahr haben wir in einer Veranstaltungsreihe auf
die schlechte Gesundheitsversorgung von Sans
Papiers in Göttingen aufmerksam gemacht. Mit
politischen Aktionen und in Zusammenarbeit mit
lokalen Einrichtungen und Organisationen wollen wir
die Situation von Sans Papiers verbessern.
Presse
Artikel aus dem Tagessatz:
Krank ohne Papiere
Andrea
Tiedemann
"Kranksein
gehört zum Menschsein. Doch was passiert mit denen, die keine
Papiere haben? Im Kampf gegen Angst, Unwissenheit und Sprachbarrieren
bieten medizinische Hilfsorganisationen Unterstützung an.
„Das
Hauptproblem der Leute ist, dass sie Angst haben, zum Arzt zu gehen“,
erzählt Hannah, Mitarbeiterin der Medizinischen Flüchtlingshilfe
Göttingen. Grund für die Angst ist oft Unwissenheit. „Die meisten
Patienten denken, dass ein Arzt sie melden muss.“ Auch Ärzte sind
oft in Unkenntnis darüber, ob sie sich strafbar machen, wenn sie
einen Menschen ohne Papiere behandeln. „Viele Ärzte denken, sie
müssten die Patienten melden, was aber nicht stimmt“, klärt
Hannah auf. Nach der Rechtslage sind nur öffentliche Stellen
verpflichtet, Menschen ohne Papiere zu melden. Ein niedergelassener
Arzt ist aber keine öffentliche Stelle. Die vermutete rechtliche
Grauzone führt dazu, dass viele Ärzte die Behandlung einfach
ablehnen. Auch die Finanzierung ist ein großes Hindernis. Ein Arzt
kann seine Behandlung nur dann beim Sozialamt abrechnen, wenn der
Patient gemeldet ist.
Die
Medizinische
Flüchtlingshilfe
hat
ihre
Räume
mitten
in der
Innenstadt von Göttingen. Jeden Donnerstag ist hier Sprechstunde.
Knapp zehn ehrenamtliche Mitarbeiter, größtenteils
Medizinstudenten, betreuen dann im Wechsel die Patienten. Pro Woche
kommen etwa zwei bis drei neue Fälle dazu. Manche kommen nur einmal,
manche werden länger betreut. Dabei behandelt die Flüchtlingshilfe
nicht selber, sondern stellt den Kontakt zu Ärztinnen und Ärzten
her oder hilft bei bürokratischen Schwierigkeiten. Medizinstudentin
Hannah erklärt, dass viele Menschen sogar einen Anspruch auf
Krankenversicherung haben. „Häufig sind die Leute übers Sozialamt
krankenversichert, sie wissen nur nicht, wie es funktioniert.“ Beim
ersten Kontakt ist daher zunächst wichtig, herauszubekommen, ob der
Betroffene eine Krankenversicherung hat oder nicht. Dabei müssen die
Mitarbeiter sehr einfühlsam vorgehen. „Häufig verschreckt es die
Leute wahnsinnig. Die haben viel Fragerei hinter sich, meistens sind
es Leute, die ein Asylverfahren durchgemacht haben, nicht angenommen
worden sind“, erklärt Hannah das Problem. Doch auch wenn gar keine
Papiere vorhanden sind, gibt es Lösungsmöglichkeiten. Die
Flüchtlingshilfe hat eine Liste von Ärztinnen und Ärzten, die
nicht nach Namen fragen. Alle Fachrichtungen sind hier vertreten, vor
allen Dingen Allgemeinmediziner und Gynäkologen sind gefragt. Häufig
sind es Schwangerschaftsbetreuungen, bei denen Migrantinnen
Unterstützung brauchen.
Manche
der
Ärzte
behandeln
kostenlos,
andere
rechnen
einen einfachen Satz
ab, den dann die Flüchtlingshilfe übernimmt. „Das Schwierigste
ist eigentlich immer, über die Sprechstundenhilfe hinaus zum Arzt zu
kommen. Wenn man das geschafft hat, hört man relativ schnell, wie
der Arzt dazu steht. Es gibt dann Leute, die sagen: Was geht mich das
Ganze an? Und andere, die sofort Feuer und Flamme sind und froh, dass
sie eine Gelegenheit haben, sich zu engagieren“, freut sich Hannah.
Auch die Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe selber waren lange Zeit
unsicher, wie sie sich aufgrund der unklaren Rechtslage verhalten
sollten. Dabei gab es noch nie ein Verfahren gegen Mitarbeiter von
medizinischen Flüchtlingshilfsorganisationen. „Es gibt lauter
rechtliche Gutachten, die sagen, eine Klage in die Richtung hätte
keine Chance. Seitdem sind wir ein bisschen selbstbewusster
geworden.“
Migranten
verschiedenster
Nationalitäten
wenden
sich
an
die
Organisation. Eine
Kooperation mit dem Migrationszentrum Göttingen, in dessen Räumen
die Flüchtlingshilfe arbeitet, macht die Verständigung möglich:
Sie stellen einen Dolmetscherdienst zur Verfügung. Wie wichtig
kultursensible und medizinisch geschulte Dolmetscher sind, macht
Hannah an einem Beispiel deutlich: „Im Türkischen sagt man, ‚die
Leber brennt‘, wenn man sehr traurig ist. Der Arzt denkt dann
natürlich, der Patient hat Bauchweh. Er geht dann nicht von einer
Depression aus.“
Finanziert
wird
die
Organisation
aus
Spenden,
und
auch die Stadt gibt einen
jährlichen Zuschuss aus dem Sozialfonds. „Das widerspricht sich
etwas“, sagt Hannah, „das, was wir machen, ist zwar legal, die
Stadt will aber eigentlich nicht, dass Menschen ohne
Aufenthaltserlaubnis nach Göttingen kommen. Gleichzeitig ist es aber
auch ihre Aufgabe, diese Menschen zu versorgen. Wenn tatsächlich
jeder zum Arzt gehen würde und das übers Sozialamt abrechnen lassen
würde, wäre es natürlich für die Stadt viel teurer, als wenn wir
ein bisschen Geld von der Stadt bekommen und viel über Spenden und
Ehrenämter regeln. Die Stadt gibt da schon viel Verantwortung ab.“
Der Kontakt mit den Behörden sei oft schwer, es habe schon Fälle
gegeben, in denen medizinische Hilfsmittel, auf die ein Anspruch
besteht, nicht bewilligt wurden: „Jemand, der auf Grundlage von
Gutscheinen lebt, bekommt seine Brille oder Gehhilfe nicht bezahlt.
Momentan finanzieren wir eine Halskrause. Das sind Sachen, so siebzig
Euro, woher soll man die nehmen, wenn man nur dreißig Euro
Taschengeld hat?“ Auch bei psychiatrischer und psychologischer
Hilfe stellen sich die Behörden oft stur. Auch wenn die Behandlung
gar nicht verweigert werden dürfte, werden die Betroffenen
abgewiesen. Dabei sind gerade psychologische Probleme häufig der
Grund für die Patienten, in die Sprechstunde zu kommen. „Die
meisten Migranten, mit denen wir zu tun haben, haben irgendeine Art
von Traumatisierung hinter sich. Die haben alle schlimme Dinge
erlebt“, berichtet Hannah.
Neben
der
praktischen
Arbeit
mit
Ärzten
und
Patienten bringt die
Flüchtlingshilfe auch die politische Arbeit voran. Das Konzept des
Anonymisierten Krankenscheins wird zurzeit mit Verantwortlichen
verschiedener Parteien diskutiert. Hannah erklärt, was der
Hintergrund des Konzepts ist: „Es geht darum, die Abrechnung zu
erleichtern. Jemand könnte dann zum Arzt gehen und hätte einen
Krankenschein, auf dem statt seines Namens ein Code steht. Der Arzt
könnte dann über diesen Krankenschein beim Sozialamt abrechnen.“
Das Konzept ist in mehreren deutschen Städten im Gespräch. Bis es
zu einer umfassenden medizinischen Versorgung für alle Menschen in
Deutschland kommt, ist es noch ein langer Weg.
Info
Medizinische
Flüchtlingshilfe Göttingen e.V.
Weender
Straße 42
0551-55766
www.mfh-goe.org
Sprechzeiten
(zurzeit): Donnerstag 16-17 Uhr
§§-Hintergrund
Ursache
für
die
Unsicherheit
der
Ärzte
und
Patienten ist der sogenannte
„Schlepperparagraph“ (§ 96 AufenthG), der das Einschleusen von
Ausländern, aber auch die ermöglichte Verlängerung eines illegalen
Aufenthalts mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren ahndet."
http://www.tagessatz.de/content/start.html
************************************************
Radiobeitrag zur Initiative vom April 2005
Initiative
will
Hilfe
für Flüchtlinge Ohne Papiere
Gesundheitsversorgung und Weiterbildung sicherstellen/
„Schlepperparagraph“ kritisiert
Göttingen
(epd).
Eine
neue
Bürgerinitiative
in
Göttingen
verlangt
Hilfe für Flüchtlinge, die keine Papiere haben und in der Illegalität
leben. Die Betroffenen seien faktisch von der Gesundheitsversorgung und
den Bildungseinrichtungen ausgeschlossen, erklärte die Initiative
„Gesundheitsversorgung für alle“ am Dienstag. Sie fordert vom Göttinger
Stadtrat, auf kommunaler Ebene Lösungen zu finden. Der
Migrationsforscher Holk Stobbe, Mitglied der Initiative, geht davon
aus, dass allein in der Universitätsstadt „einige hundert“ Ausländer
ohne Papiere und gesicherten Aufenthaltsstatus leben. Es könne nicht
angehen, dass diese Menschen keinen Zugang zu regulärer medizinischer
Versorgung hätten. Die Behörden kümmerten sich nicht um die
Betroffenen, sondern wälzten diese „eigentlich öffentliche“ Aufgabe auf
wenige Mediziner ab, die Flüchtlinge anonym und kostenlos behandelten.
Diese Ärzte seien zudem stark verunsichert. Der so genannte
„Schlepperparagraph“ im neuen Zuwanderungsgesetz sehe Haftstrafen von
bis zu fünf Jahren für die wiederholte Unterstützung von Flüchtlingen
ohne Aufenthaltsstatus vor. „Besonders prekär“ ist die Lage nach
Darstellung der Initiative für schwangere Frauen in der Illegalität.
Sie erhielten nur in der Mutterschutzfrist sechs Wochen vor bis acht
Wochen nach der Geburt eine Duldung.
aus: Göttinger - Tageblatt vom 18.
April 2005
************************************************
Versorgung
„Illegaler“
-
Gesundheits-Initiative
berichtet
im
Sozialausschuss
Göttingen (bar).
Über die Situation von
Menschen ohne Aufenthaltsstatus -
so genannte "Illegale" - in Göttingen hat im Sozialausschuss des
Stadtrates
die Initiative "Gesundheitsversorgung und Bildung für alle" berichtet.
Die
Gesundheitsversorgung dieser Bevölkerungsgruppen, so der
Migrationsforscher
Holk Stobbe, der Mitglied der Initiative ist, "kann nicht länger von
einzelnen, engagierten Menschen geleistet werden. Wir müssen daran
arbeiten, die Gesundheitsversorgung aller hier lebenden Menschen auf
kommunaler Ebene sicherzustellen." Wenn die Stadt ihrem sozialen
Auftrag
gerecht werden wolle, müsse sie die Notwendigkeit einer kommunalen
Lösung
zur Gesundheitsversorgung dieser gefährdeten Bevölkerungsgruppe
anerkennen, so Mela Weyerstall von der Initiative.
aus: Göttinger - Tageblatt vom 28.
Juli 2005